Nur nicht aufgeben

Ich habe mich entschieden weiterzuschreiben. Seit Oktober 2015 ist in meinem Blog Welt-Bewegen nichts mehr passiert. Zu sehr haben mich die Ereignisse überrollt, so dass ich nur entsetzt zugesehen habe.

So meine ich nicht alleine die rasante gesellschaftliche Entwicklung zum Thema Flüchtlinge. Das Jahr 2015 hat mir auch gezeigt, dass es kaum möglich ist, als Bürgerin in der Kommune informiert zu werden. Aber muss das so bleiben? Ich meine nicht. Vielleicht müssen wir erst einmal lernen, wie demokratische Instrumente zu nutzen sind. Die vorhandenen Instrumente reichen kaum, um von der Stadtverwaltung / -Politik ausreichend informiert zu werden. Die Lokalpresse schaut nicht dorthin, wo Fragen gestellt werden müssen, sucht kaum Antworten. Mir scheint, als würde in der Kommune ein Schleier des Schweigens gelegt. Das ist mir zu wenig. Nun musste ich erfahren, dass einem Bürger aus Gelsenkirchen Gebühren für Anfragen nach dem Informations-Freiheits-Gesetz (IFG) in Rechnung gestellt wurden. Das ist nach der Gemeindeordnung in NRW durchaus berechtigt, aber kein unbedingtes Muss. Wenn öffentlich keine Fragen gestellt, oder Informationen herausgegeben werden, welche wirklich thematisch die BürgerInnen beschäftigen, dann besteht kaum eine andere Möglichkeit, als das IFG in Anspruch zu nehmen. Dass die Kosten tatsächlich an den Bürger weitergegeben werden, und das in einer Stadt, in der beinahe jeder seinen Cent zweimal umdrehen muss, ist schon ein Hohn.

Erkennbar war auch der scheinbar absolute Unwille, meine Fragen auch ohne IFG beantworten zu wollen. Sei es die Gelsenkirchener SPD oder die Gafög, die Stadtverwaltung oder auch andere Parteien. Denn das Feedback zu meinen Schreiben war mehr als dürftig.

Parallel zu der Erkenntnis, dass die Kommunalpolitik nicht gewillt zu sein scheint, Transparenz zu schaffen, musste Gelsenkirchen sich mit der Frage beschäftigen, wie wir mit Flüchtlingen umzugehen haben.

Kaum war die „Refugee Welcome“-Freude abgeflaut, meldeten sich auch schon die ersten besorgten Bürger. Ich als fleißige Facebookerin stellte nur fest, dass man vielen dieser Menschen argumentativ kaum begegnen kann. Zu sehr kochen die Emotionen gerade hoch, welche den Weg zum Gehirn zu blockieren vermögen. Dabei ist ein Austausch zwischen Emotion und Ratio grundlegend wichtig, um Lösungsansätze zu formulieren. Was derzeit jedoch passiert, sind erkennbare Ängste. Anstatt zu eruieren, wo sie denn herkommen, wird sich erst mal eine Zielgruppe ausgesucht. Und jeder, der versucht mit Differenzierung Situationen zu beleuchten, wird verbal weggebissen.

Seit dem frage ich mich, ob es Sinn macht, noch zu schreiben. Gibt es noch eine Welt, die ein Interesse an Menschenrechten hat? Oder ist man nur noch darauf aus, Demokratien abzubauen? Da das Entsetz-Sein ein Dauerzustand zu werden scheint und ich mich richtig elend fühle, brauche ich den Kanal. Es muss raus. Wohl wissend, auch wieder angegriffen zu werden und die Verzweiflung erkennend, dass es kaum jemand interessiert, Lösungen zu finden. Aber vielleicht gibt es den einen Multiplikator. Und für diesen Einen lohnt es sich zu schreiben.

Da es jedoch nicht darum geht, die Welt zu bewegen, die ist einfach zu groß, habe ich diesen Blog angelegt. Eine Gesellschaft ist immer da. Und man kann nur in seinem direkten Umfeld Einfluss nehmen. Wer es schafft, darüber hinaus zu wirken, der hat Glück. Es geht mir darum, Menschen zu erreichen, die wirklich gewillt sind, Ängste abzubauen, Lösungen zu finden und die demokratischen Mittel zu nutzen, um eine friedliche Gesellschaft mitzugestalten. Dazu gehört auch der Diskurs, die Auseinandersetzung, das Miteinander-Reden. Wir können nicht einfach wegschauen und so tun, als ginge es uns nichts an. Jeder von uns muss sich stets die Frage stellen: Bin ich frei?

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2 Kommentare zu “Nur nicht aufgeben

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