Emotionale Intelligenz oder – Die Enttabuisierung der Psyche

Waage

„Der ist doch psychisch krank!“ – „Der ist doch ein Psychopath!“ Wenn es um eine Diagnosestellung geht, ist das Individuum schnell bereit dies auch zu tun. Zumeist wird eine Diagnose dieser Art gerne gestellt, um von sich und seinen emotionalen Unzulänglichkeiten abzulenken. Es wird jemand erniedrigt, um sich auf diese Art auf ein Podest zu heben. Gerne wird Psyche auch alleinig mit Intellekt verglichen. Spricht man Menschen an, ob sie sich denn schon mal in eine Psychotherapie begeben haben, wird gerne gesagt: „Ich bin doch nicht blöd?!“

Diese Negativ-Wertung der menschlichen Psyche muss endlich aufhören! Es wird Zeit, im 21. Jahrhundert, in dem die Humanmedizin beinahe alles transplantieren und mit dem Körper wahre Wunder weg-, an- und um operieren kann, auch mal über die Psyche zu sprechen. Zum menschlichen Sein ist sie genauso wichtig, wie der Rest des Körpers.

Mein Blog befasst sich mit dem Thema, wie Gesellschaft entwickelt werden kann. Gesellschaft ist dynamisch und gewichtet sich nach dem aktuellen Zeitgeist. Der aktuelle Zeitgeist ist mehr als besorgniserregend, ist man an einer friedlichen Welt interessiert. Will man Veränderungen herbeiführen, ist das Finden von Ursachen mehr als erforderlich.
So wie die Gesellschaft sich derzeit entwickelt, werden Veränderungen in ganz verschiedenen Bereichen wahrgenommen. Plötzlich ist Feminismus wieder ein Thema, weil Sexisten sich schützend vor das „schwache Geschlecht“ stellen wollen. Plötzlich finden wir nur noch pure Gewalt in den Straßen, ungeachtet dessen, dass sie hauptsächlich in den Medien stattfindet. Plötzlich wird über rechts – links gesprochen, ohne eine klare Definition über diese politischen Lager zu kennen. Es gerät viel durcheinander und wird undifferenziert und aggressiv diskutiert. In vielen Fällen erfährt man ein „Duck und weg“.  Auseinandersetzungen werden kaum ausgehalten. Doch woher kommt das?

Wenn man sich mit Themen auseinandersetzt, muss man auch seine eigene Position hinterfragen. Wenn ein Thema jemanden anspricht, hat dies einen Grund. Wenn Menschen plötzlich Angst bekommen auf die Straße zu gehen, hat das einen Grund. Und nein, das liegt nicht an dem vermehrten Flüchtlingsaufkommen. Die Angst sitzt viel tiefer und wird nur durch die aktuellen Ereignisse in eine Form gebracht, damit man sich über seine Ängste äußern kann. Und nun wird es spannend. Versucht man in einer Diskussion auf den Zahn zu fühlen, wieso die emotionale Lage nicht der realen Situation entspricht, sind in der Regel Anfeindungen zu erwarten. Erklärbar wäre dieses Verhalten dadurch, dass dieser ängstliche Mensch sich noch nicht seinen Ängsten gestellt hat.

Jeder Mensch hat Angst, das ist völlig normal. Manche Ängste beeinflussen nicht unbedingt die Lebensqualität. Dennoch gibt es Ängste, welche das zwischenmenschliche Miteinander erschweren. Und dies ist derzeit klar zu erkennen. Ängste, welche die Lebensqualität beeinflussen, können z. B. Folgende sein:

  • Angst vor Ablehnung (weil man das als Kind im Elternhaus erlebt hat. Dabei will man doch dazugehören)
  • Angst vor Auseinandersetzung (Man fühlt sich wehrlos, hat diese Verhalten erlernt, weil eine Emanzipation der Persönlichkeit nicht möglich war)
  • Angst vor Menschen (weil durch Erfahrungen, die nicht aufgearbeitet wurden, keine Instrumente zur Durchsetzung erlernt wurden)
  • Angst vor Überfremdung (Verlustangst, ohne einer kognitiven Auseinandersetzung besteht die Angst, dass jemand in das persönliche Leben eingreift, auch wenn das so nicht stimmt)

Die Aufzählung kann in vielfältiger Form fortgeführt werden. Ängste beeinflussen unser Leben. Jeder hat seinen ganz individuellen Flowchart. Aber wie lernen wir, damit umzugehen? Auch hier gibt es verschiedene Formen. Dieser Text wird nicht die ganze Komplexität der Psychologie widergeben können. Er kann nur einen Ansatz für eine Diskussion liefern. Es gibt Menschen, die Vermeidungen entwickeln. Sie sehen zu, dass sie sich nicht mehr einer Situation aussetzen, in der ihre Ängste bedient werden könnten.

Beispiel: Jemand, der unter einer Spinnenphobie leidet, meidet Spaziergänge in der Natur. Das ist so weit nicht extrem lebensbeeinflussend. Ein Mensch, der Ängste vor anderen Menschen entwickelt, zieht sich zurück und nimmt an gesellschaftlichen Aktionen nicht mehr teil. Das ist sehr stark lebensbeeinflussend.

Aus diesem Grund ist es wichtig, sich seinen Ängsten zu stellen. Und hier beginnt die emotionale Intelligenz. Eine Selbstreflektion kann das Leben verändern. Ein schlechtes „Bauchgefühl“ kennt jeder. Diesem Gefühl jedoch auf den Grund zu gehen und zu erforschen, wieso sich etwas nicht richtig anfühlt, das kann gelernt werden. Eine gesunde Interaktion zwischen Ratio und der Emotion kann helfen, individuelle Lösungen zu finden. Dazu muss die Ursache eruiert werden. Und davor wird sich zumeist gefürchtet. Denn niemand will als schwach und unfähig gelten. Seiner eigenen Geschichte auf den Grund zu gehen, bedeutet aber auch nicht, schwach und unfähig zu sein. Ein Mensch kann nicht perfekt durch das Leben gehen. Ein Mensch muss seine eigene Persönlichkeit finden, seine Stärken und Schwächen kennen. Eine Perfektion gibt es nie. Aber es gibt das Erlernen, Beziehungen zueinander zu bewerten. Eine Psychotherapie hilft, diese Beziehungsfähigkeit zu entwickeln. Aber auch andere Gesprächsmodelle funktionieren. Freunde, die wirklich ehrlich sind oder eine gut funktionierende partnerschaftliche Beziehung. Wichtig ist zu lernen, wie andere Menschen das Individuum wahrnehmen.  Jeder Mensch hat andere Erwartungen. Daran scheitern oftmals Beziehungen. Reden kann da helfen. Reden über die individuelle Erwartungshaltung und auch darüber, dass man manche Erwartungen aus verschiedenen Gründen nicht erfüllen kann.

Beispiel: Ich leide an einer Telefonphobie, resultierend aus den unmenschlichen Arbeitsbedingungen meiner letzten Arbeitsstelle. Jedes Klingeln ist ein Alarmsignal und katapultiert mich gleich in das Stressszenario, welches ich Jahrelang durchleiden musste. Ich rede aber auch klar darüber, weil ich der Ansicht bin, dass mein Gegenüber nicht verstehen kann, was mit mir los ist, wenn ich es nicht erkläre. Zumeist wird es verstanden, nicht immer. Dann kommen Beziehungen eben nicht zustande. Wer mich lässt, kommt vielleicht auch mal in eine Situation, dass ich mit ihm telefoniere. Das ist dann das miteinander Arbeiten an meiner Situation.

Was ich damit sagen will: Wir müssen zu unseren Schwächen stehen. Dazu müssen wir sie auch kennen. Es ist aber auch erforderlich, sich abgrenzen zu können, um sich vor Menschen zu schützen, die nicht zu einem passen. Man kann lernen zu erkennen, wo hört mein Problem auf, wo beginnt das Problem des Gegenübers. Welchen Schuh zieht man sich an und wo übernimmt man Verantwortung.

Wer sich seinen Ängsten nicht stellt, wird stets diese negative Ausschüttung von Hormonen erleben. Ein schlechtes Bauchgefühl ist auf Dauer nicht gesund. Auch körperliche Probleme stellen sich ein. Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen. Dies alles können Signale der Seele sein. Sie gibt ganz viele Hinweise darauf, was sie braucht und was nicht. Aber hören wir immer hin? Wollen wir hinhören? Wir haben nicht gelernt, mit Kopf und Bauch zu leben, weil es uns abtrainiert wurde. Unsere Instinkte sind eingeschlafen. Wir haben zu funktionieren. Wir müssen die Erwartungen anderer erfüllen. Die Erwartung des allgemeinen Arbeitsmarktes. Der Druck trainiert und die Gefühle ab, man spürt sich kaum noch. Die Ängste vor Jobverlust und Existenzangst bleiben beständig und werden chronisch. Man nimmt sie kaum noch war, weil sie immer da sind. Das schlechte Bauchgefühl wird der ständige Begleiter. Die Seele aber merkt sich alles. Und irgendwann meldet sie sich.

Es ist mehr als wichtig, das Thema der emotionalen Intelligenz zu erläutern, als stets von den „dummen Menschen“ zureden. Wir erlangen nur Erkenntnisse, wenn wir den anderen verstehen können. Aber wie können wir den anderen verstehen, wenn er es selbst nicht kann? Und da müssen wir hin. Jeder ist gefragt sich und sein Verhalten zu verstehen. Wer mit sich im Reinen ist, kann ein glücklicher Mensch werden. Und Glückshormone stärken das Immunsystem. Es lebt sich einfach gesünder, achtet man sich, schätzt die eigene Psyche und nutzt die emotionale Intelligenz.

 

 

 

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