Gemeinschaft oder alleine?

Diese Frage stelle ich mir derzeit ganz oft. Im Grunde ging ich davon aus, dass der Mensch dazu gemacht wurde, in Gemeinschaft zu leben. Das Leben lebt sich leichter, wenn wir einander helfen, aufmerksam sind und im miteinander die Welt entwickeln.

Und dann erlebte ich Mobbing, Hass von Menschen, die Angst vor mir haben, weil ich nicht so denke, wie sie. Mobbing am Arbeitsplatz, weil die Menschen einfach ihre eigene Psyche und die eigenen Ängste nicht reflektieren und ich für sie unberechenbar bin. Dabei waren sie mir völlig egal. Aber sie hatten sich zum Ziel gesetzt, mich aus ihren Reihen entfernen zu wollen und hatten Erfolg und ich nun das Trauma.

Gemeinschaft im Beruf habe ich leider nie gefunden. Es gab einzelne Kollegen, mit denen man auskam, aber jeder machte dennoch „sein Ding“ und gemeinschaftlich lief mal gar nichts. Ein Arbeitgeber isolierte mich gar in eine Kammer, in der ich von dem Rest des Teams abgekoppelt wurde. In dieser Kammer lernte ich, für mich alleine zu arbeiten. Ab und zu besuchte mich jemand, aber so schlimm fand ich es gar nicht. Sollte ich gar nicht für die Gemeinschaft gemacht sein?

Schaue ich zurück in meine Vergangenheit, war ich immer der Außenseiter. Wahrscheinlich habe ich es auch immer so gewollt. Nur, wie passt das zusammen mit meiner Vorstellung von einem gemeinsamen Miteinander und dass Menschen für einander da sind, sich helfen? Ist der Mensch überhaupt dafür gemacht? Oder ist er der einsame Jäger und Sammler, so wie wir Menschen lebten, bevor wir sesshaft wurden?

Als vor mittlerweile mehr als einem Jahrzehnt die Agenda 2010 nach und nach umgesetzt wurde, war mir klar, was das mit unserer Gesellschaft machen wird. Ich wurde aktiv und kämpfte gegen Hartz IV. Gleichzeitig suchte ich nach Alternativen, nach Lösungen und fand somit das Bedingungslose Grundeinkommen. Ich engagierte mich, suchte Plattformen, demonstrierte. Das absolute Lowlight war der Tag, an dem wir zu Dritt am Hauptbahnhof standen und zur Occupy-Demo nach Düsseldorf fuhren. Sogar die Lokalpresse berichtete und ein Fotograf traf uns noch am Bahnhof. Während Hunderte in die Züge stiegen, um ins Einkaufszentrum CentrO Oberhausen oder zum Limbecker Platz nach Essen zu fahren, krümelten wir drei uns zusammen und fuhren nach Düsseldorf. Es interessiert niemanden, was mit unserer Welt passiert. Gleichzeitig werden ALG-II-Bezieher gedisst und gemobbt. Sie sollen arbeiten, blablabla. Die Verrohung der Gesellschaft ist so klar zu erkennen.

Aber anstatt sich aufzumachen und zu schauen, was wir denn als Gemeinschaft verändern können, wird weiter Druck ausgeübt. Und das nicht auf die Vertreter, die vom Souverän gewählt wurden. Nein, aufeinander! Gemeinschaft? Davon habe ich mich distanziert.

Wieso war mir klar, dass wir irgendwann mal eine ganze Menge Flüchtlinge bei uns aufnehmen müssen? Es ist eine Sache der Logik. Wenn es einem Land besonders gut geht, geht es einem anderen Land schlecht. Buchung gleich Gegenbuchung. Aktio gleich Reaktio. Schaut man in die Technik, ins Kaufmännische oder wo auch immer hin, so besteht alles aus Ursache und Wirkung. Haben die Menschen wirklich geglaubt, der Konsum bleibt ohne Folgen? Wieso muss so viel importiert werden? Haben wir nicht genug bei uns? Die Gemeinschaft hat sich spalten lassen. Hier und da mag es vielleicht vereinzelt Gruppen geben, aber was ist Gemeinschaft?

Wieso war mir klar, dass es irgendwann vermehrt Amokläufe geben wird? Hat denn niemand versucht zu verstehen, wie Menschen sich mit diesem ganzen Druck im Laufe der Zeit verändern werden? Diese Überraschung, was denn nun alles passiert, überrascht wiederum mich. Und was macht die Gesellschaft daraus? Hetze, Hass und wieder ein mal die Suche nach dem Helden, der es machen soll. Die Politik blafaselt ihre Hilflosigkeit und outet sich mit schärferen Waffengesetzen, die bei einem Menschen, der entschlossen ist, einen erweiterten Suizid zu machen, mal überhaupt nichts bewirken.

Wir schauen nicht mehr auf den Menschen. Wir suchen nach Symptomen, aber nicht nach den Ursachen. Wieso radikalisieren sich Menschen? Das hat einen Grund. Besonders albern sind die Berichterstattungen über Spontanradikalisierung. Das hat was von Spontanentzündungen, was auch frei erfunden ist. Märchen über Märchen und keiner wagt den Blick ins Innere der Menschen, die sich hochjagen oder andere Menschen und sich erschießen. Das hat alles Gründe. Und wer hat versagt? Die Gemeinschaft! Sie hat diese Politik zugelassen. Sie hat sich nicht auf den Weg gemacht und einfach mal die Reißleine gezogen. Nein, Konsum, Importe, arbeiten für kleines Geld, Angst, Angst, Angst. Und dann wird diese Angst an andere weitergegeben. Wieder mit Druck.

Lösungen? Wer hat denn Bock auf Lösungen?! Es ist doch so schön einfach zu jammern und nölen. Die anderen sind Schuld, immer die anderen. Und welche Rolle spielt man in seinem eigenen Leben?

Und dieser Frage gehe ich schon sehr lange nach. Mir scheint, ich bin und bleibe der Einzelgänger. Einzelne Menschen mag ich, aber an eine Gemeinschaft kann ich gerade nicht glauben. So lange immer nach dem Ritter auf dem weißen Pferd gesucht wird, finde ich kaum eine Ebene der Kommunikation. Komm mit mir, ein Stück meines Weges. Aber irgendwann trennen wir uns wieder. Dann kommt wieder was Neues. Ist es nicht auch ein gewisser Schutz, nicht mittendrin zu stehen, sondern sich von außen ein Bild zu machen? Ist man so nicht davor gefeit, ein Mitläufer zu werden?

Ich habe viele, sehr viele Hürden in meinem Leben genommen. Eigentlich darf ich mich einen glücklichen Menschen nennen. Das, was ich gerne mache, geht eigentlich nur in Beziehung zu anderen Menschen. Aber bei kulturellen Veranstaltungen fehlt das Publikum. Also fehlt irgendwann die Motivation, aufzutreten. Bei politischen Veranstaltungen fehlt das Publikum. Bestenfalls wird gelabert, aber nichts Konkretes für die Zukunft umgesetzt. Labern ist toll, was tun dagegen nicht.

Mir fehlen die Menschen, um das zu tun, was ich gerne teilen möchte. Alle finden es toooooolll. Nein, das finden sie nicht. Ansonsten würden sie mitmachen. Ich mache jetzt nur noch für mich. Wenn es irgendwann eine Gemeinschaft gibt, die auch gemeinschaftlich existieren will, will ich mich nicht verschließen. Vielleicht bin ich in einer falschen Zeit geboren. Vielleicht ist es aber auch gar nicht so typisch menschlich, immer in einer Gemeinschaft zu leben. Vielleicht bin ich ein Jäger und Sammler und stets unterwegs.

Mein Leben wird mir diese Frage beantworten!

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