Ich will keine Waffen auf Weihnachtsmärkten

…und sonst wo. Wahrscheinlich wird mein Blogbeitrag zu den Ereignissen in Berlin im großen www untergehen. Das ist mir auch recht schnuppe. Nur irgendwo muss ich mit meiner Empörung hin. Mein Blog ist eine Art Therapie. Schreibe ich es nicht raus, würde ich wahrscheinlich dran ersticken.

Hat nun die Bundesregierung (welcher Couleur auch immer) ihren Anschlag? Das ganze Jahr über übte sie. Anschlag in Hannover bei einem Länderspiel? Nein, die Antworten würden uns verunsichern. Anschlag am Münchener Hauptbahnhof? So wirklich weiter wurde nicht berichtet. War wohl auch nix. Der Anschlag in München in einem Einkaufscenter stellte sich als eine Verzweiflungstat heraus, dessen Motive nicht weiter ergründet werden können, weil man den Täter lieber erschießt. Er könnte ja was über Mobbing und gesellschaftlichem Druck von Mensch mit Migration und fehlenden Perspektiven erzählen. Nein, das will man alles nicht hören. Terroranschläge, die wurden in der Vergangenheit herbeigeredet. Von Spontanislamisierung war die Rede.

Janeisklar, wie wir im Ruhrpott sagen. Was wirklich dahinter steckt, wird nicht deutlich gemacht. Seit einigen Jahren poppen immer Meldungen auf, die Bundeswehr im Inneren einzusetzen. Im Jahr 2012 hat das Verfassungsgericht Änderungen zu diesem Thema stattgegeben. Zwar steht die Verteidigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung im Fokus, aber wer ist stets dabei, diese zu gefährden? Wer verrät unsere freiheitlich demokratische Grundordnung mit TTIP oder CETA? Wer achtet den Artikel 1 des GG nicht, in dem es heißt, die Würde des Menschen ist unantastbar? Mir fallen da eine Menge Personen ein, die in Berlin ihren dicken Hintern auf gepolsterte blaue Stühle im Bundestag platzieren.

Kameras sollen vor Bösewichten schützen. Oh ja, die Kameras springen auch ad hoc von der Wand und fassen die Täter. Nein! Diese Kameras helfen vielleicht beim Finden des Täters, aber dennoch hat er es getan, wie gerade ein aktueller Tritt an einer Frau in einer Berliner U-Bahnstation demonstrierte. Was nützt es der Frau und uns allen, wenn psychische Zeitbomben tickend durch die Gesellschaft laufen. Der Druck steigt und somit auch die Gewalttaten. Der eine geht offensiv damit um und lässt diesen Druck an anderen aus. Der andere implodiert und baut Phobien auf, die ihn von der Gesellschaft abhängt. Machen Kameras da Sinn? Oder eher eine Analyse dessen, was die Menschen dazu treibt, ihre Gefühle nicht mehr im Griff zu haben?

Ach ja Gefühle. Da hat man neuerdings ein Ventil entdeckt. Nicht zuletzt wurde das Wort „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gekürt. Aber benutzt wird es von allen, die Interessen vertreten. Es sind nicht nur die Rechten, die mit den Emotionen der Menschen und der Gesellschaft spielen. Die Regierung kann das auch. So geschehen bei dem Vorfall auf dem Berliner Weihnachtsmarkt:

„Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte dagegen am Montagabend in der ARD gesagt: „Ich möchte im Moment noch nicht das Wort Anschlag in den Mund nehmen, obwohl viel dafür spricht.“(…)“

Frei nach dem Motto: „Ich weiß von nichts, davon aber viel und das was ich nicht weiß bringe ich aber durch eine individuelle Vermutung, die beunruhigt, zur Sprache.“ Ich glaube ihm einfach nicht mehr. Auch wenn es ein Anschlag gewesen ist, stellt sich die Frage: Ist die Regierung jetzt endlich beruhigt? Jetzt ist es endlich passiert? So kann man schon vermuten, wenn man das ganze Jahr rückblickend betrachtet. Man hat ja Terrormeldungen geübt. Und wieso das Ganze?

Ich schrieb bei Facebook:

„Hat die Bundesregierung endlich ihren Anschlag, den sie bereits in der Vergangenheit immer herbeireden wollte? Endlich? Können sie jetzt beginnen, die Maßnahmen, die sie zur Kontrolle der BürgerInnen schon vor der Flüchtlingskrise einführen wollten, schneller umzusetzen? Kein freies Internet mehr, mehr Kameras, mehr Hausdurchsuchungen, mehr Maulkorb, mehr Schere im Kopf, mehr Regulierung der Meinungsfreiheit, mehr kommunaler Ordnungsdienst in der Privatsphäre, mehr Militär im Inneren? Und es geht los! Endlich?“

Und keine 15 Minuten später ist in der RP-Online zu lesen:

„NRW-Polizei sichert Weihnachtsmärkte mit Maschinenpistolen“

Und es geht los. Dass es so schnell geht, habe selbst ich nicht vermutet. Nun können sie raus, diese Papiere, welche die BürgerInnen weiter kontrollieren können. Waffen beeindrucken, machen Angst. Da haben wir es schon wieder. Angst. Und durch die geschürte Angst werden noch mehr Mittel eingesetzt, die aus dieser freiheitlich demokratischen Grundordnung einen Angststaat der totalitären Art machen können. „Ja aber es ist doch was passiert“, werden sich einige denken oder gar schreiben. Es passiert immer was. Und damit muss eine demokratische Gesellschaft umgehen können. Es nützt einer Zivilgesellschaft mal gar nichts, wenn sie von Angst geleitet wird. Aber es nützt einer Zivilgesellschaft, sich mit der Thematik zu befassen, Ursachen erkennen zu lernen.

Jede Diktatur und jeder totalitäre Staat funktioniert in den Anfängen gleich. Wir schauen immer auf die Nazi-Diktatur und denken, das überwunden zu haben. Aber wie begann die Macht der Nazis? Wie begann die Macht anderer Despoten? Es begann mit Angst. Es wird eine Gruppe als Feind aufgebaut. Es wird eine Alternativlosigkeit gepredigt. Die Medien dürfen nicht mehr so berichten, wie sie wollen. Sind nicht mehr frei. Zensur, Einschränkung, Kontrolle.

Und auf der anderen Seite rotten sich die zusammen, die einen Führer, Retter oder wie auch immer brauchen. Eine Meute, die sich nicht selbst helfen kann und jedem folgt, der nur lauter schreit, als die anderen. Der Idiot schreit, die Vernunft ist leise.

Was können wir tun? Wir können versuchen, besonnen zu bleiben. Jeder, der eine Info von sich gibt, hat ein Interesse. Dieses gilt es stets zu hinterfragen. Auch ich habe ein Interesse. Mein Interesse ist es, in einer friedlichen Gesellschaft zu leben.

Wir müssen vorsichtig sein, wie wir unsere Emotionen befriedigen. Wollen wir sie mit Hass befriedigen? Dann haben die anderen gewonnen, aber nicht wir. Wollen wir uns manipulieren lassen? Dann haben die anderen gewonnen, aber nicht die Menschlichkeit. Oder wollen wir selbstdenkende, kritische Wesen sein, die einfach den Menschen sehen, egal wo er herkommt. Gegen das Übel und auch gegen jeden Terror dieser Welt, auch von der Politik geschürter Terror, hilft nur eins: Aufklärung und Nächstenliebe.

In diesem Sine: Frohe Weihnachten!

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