Direktkandidat Tomas Grohé (DIE LINKE) zum BGE

Auch Tomas Grohé hat mir auf der Online-Plattform abgeordnetenwatch auf meine Fragen bezüglich seiner Einstellung zum Bedingungslosen Grundeinkommen geantwortet. Ihm gilt an dieser Stelle auch mein Dank, dass er sich die Zeit genommen hat. Und schon geht es los:

Hier sind die Antworten:


1. Wie stehst Du grundsätzlich zum Bedingungslosen Grundeinkommen?

Langfristig wird das immer schneller um sich greifende Vernichten von Arbeitsplätzen dazu führen, dass ein BGE zur notwendigen Grundsicherung all derer, die keine Erwerbsmöglichkeit haben, eingesetzt werden muss. Das aber erst auf lange Sicht – weil aktuell und sicher noch länger sich für die meisten Menschen der Sinn des Lebens noch über eine wie immer geartete Anerkennung und Selbstwertgefühl und finanzielle Unabhängigkeit sichernde Tätigkeit definiert. Deswegen ist (insbesondere Langzeit-)Arbeitslosigkeit und Hartz IV ja ein derart traumatisierender Zustand.

2. Hätte das Bündnis Grundeinkommen in Dir einen Partner, die erforderlichen Modalitäten erarbeiten zu können?

Prinzipiell Ja – aber einen mit vielen Fragen nach anderen Alternativen mit dem gleichen Ziel, Menschen Existenz sichernde, Lebensplanung verlässlich ermöglichende und Zufriedenheit, Anerkennung bietende Tätigkeiten zu geben. Dass sich dabei die Art der Tätigkeiten verändern wird ist klar und insbesondere solche „reproduktiven“ Tätigkeiten wie Kinder erziehen, Familienhaushalte führen, Angehörige pflegen, … müssen dann endlich als echte Dienstleistungen an der Gesellschaft anerkannt und honoriert werden.

3. Glaubst Du, dass die herkömmliche Arbeitswelt mit ebenso herkömmlichen volkswirtschaftlichen Instrumenten eine Perspektive erlangen kann?

Da müsste sich an den „herkömmlichen Bedingungen“ schon einiges grundsätzlich ändern:

Solange der Gier des Kapitals nach immer schnellerem Wachstum nicht Einhalt geboten wird, solange die Finanzmärkte nicht zugunsten der Realwirtschaft abgeschafft werden, solange die völlig zerstörerischen Wachstumsideologie nicht geknackt wird zugunsten einer nennen wir sie: enkeltauglichen an Nachhaltigkeit orientierten Produktions- und Entwicklungspolitik, solange es keine Umverteilung des irrwitzigen Reichtums von oben nach unten gibt, solange das Geld die Politik beherrscht und der Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft nicht wieder hergestellt ist, solange werden wir um genau für diese Veränderungen kämpfen müssen und solange das nicht geklärt ist, wird ein BGE immer das Opium fürs Volk sein, um „Ruhe zu gewährleisten“ – es wird also eher unterdrückende als befreiend emanzipierende Funktionen haben.

4. Welche Lösungsansätze hast Du, um das Thema Arbeit im 21. Jahrhundert so zu gestalten, dass auch die Armut eingedämmt, bestenfalls besiegt werden kann?

s.o.

5. Was bedeutet für Dich Arbeit?

s.o.“

Im Grunde beinhaltet die Antwort viele Ansätze, die ich auch teile, wenn man die Entwicklung der Arbeit in Betracht zieht. Aber schaut man auf die Entwicklung des Menschen, haben Tomas Grohé und ich dennoch verschiedene Ansätze. Nur zwei Punkte, die mir besonders am Herzen liegen:

Zitat Tomas Grohé: „ (…) Das aber erst auf lange Sicht – weil aktuell und sicher noch länger sich für die meisten Menschen der Sinn des Lebens noch über eine wie immer geartete Anerkennung und Selbstwertgefühl und finanzielle Unabhängigkeit sichernde Tätigkeit definiert.“

Genau aus diesem Grund wird der Ruf nach einem BGE aus der Bevölkerung immer lauter. WEIL sie sich aus dem Irrsinn der derzeitig getalteten Erwerbsarbeit befreien wollen. Gerade hier müssen wir wieder zurück zu einer vernünftigen Gestaltung, welche mit mehr Mut durch fehlende Erpressbarkeit mit einem BGE geschaffen werden kann.

Ich traue den Menschen durchaus zu, ihre Talente über den erlernten Beruf hinaus erkennen zu können – wenn sie frei wären. Das Selbstwertgefühl wächst durch das freie Tun und den Erfolgserlebnissen, wenn man endlich das tun kann, was man WILL.

Zitat Tomas Grohé: „ (…) und solange das nicht geklärt ist, wird ein BGE immer das Opium fürs Volk sein, um „Ruhe zu gewährleisten“ – es wird also eher unterdrückende als befreiend emanzipierende Funktionen haben.“

Hier haben wir ganz unterschiedliche Menschenbilder. Ich glaube nicht an den gelähmten Menschen, der sich dafür bezahlen lässt, still zu halten. Man merkt bereits jetzt, dass die erzwungene Maßregelung der individuellen Lebensgestaltung durch das ALG II nur eines bewirk: Lähmung durch Angst.

Psychische Erkrankungen nehmen zu, weil die Menschen ihrem Leben keinen Sinn mehr geben können. Jede Bewegung oder jede Dynamik ist eine Gefahr, vom Jobcenter eine Sanktion zu erlangen. Seitdem es im letzten August auch möglich ist, verhaltensbedingt zu sanktionieren, ist der Druck noch mehr gewachsen. Ich würde den ollen Marx an dieser Stelle nicht wirklich mit dem BGE in Verbindung bringen wollen. Denn in seiner Zeit sah er vieles voraus, aber nun sind wir schon viele Schritte weiter.

Wer sich noch ein weiteres Bild von Tomas Grohé machen möchte, kann das gerne unter dem „Kandidatencheck“ tun.

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2 Kommentare zu “Direktkandidat Tomas Grohé (DIE LINKE) zum BGE

  1. Vielen Dank für die Nachfragen zum BGE direkt bei den Politikern. Super Sache. Ich habe zwei Vorträge zum BGE gehalten. Diese bestätigen so ziemlich, was Herr Grohe antwortet. Beim ersten Vortrag kamen 20 Leute, aber es war kein einziger dabei, den es betrifft. Alles gut verdienende Intellektuelle, keine Arbeiter, keine Alleinerziehende, keine Frührentner, Kranke oder Rentner und auch keine Hartz VI-Bezieher. Bei der 2. Veranstaltung ähnlich, diesmal jedoch ein paar Frauen mit prekärem Verdienst. Was die erzählten, konnten die Männer kaum glauben, die natürlich alle gut bezahlter Arbeit nachgingen. Was sich viele gut vorstellen können, können ebenso viele eben nicht. Das hat natürlich Gründe. Ich bin Befürworterin eines BGE, sehe es jedoch auch als ein Wagnis, das seine Tücken hat.
    Trotzdem: die Diskussion ist notwendig und wird nicht ohne Folgen bleiben.

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Der etwas andere Kandidatencheck – gesellschaftentwickelnblog

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