Direktkandidatin Susanne Cichos (FDP) zum BGE

Während die Kandidatenchecks derzeit durch die Medien gehen, habe ich meinen eigenen Kandidatencheck gestartet. Da ich mit der Zweitstimme das Bündnis Grundeinkommen wähle, beschäftigt mich die Frage, welcher Direktkandidat in Frage käme, Schnittstellen mit dem Bündnis zu erarbeiten.Denn auch wenn es eine Ein-Themen-Partei ist, stecken da im Grunde alle Themen drin, die unsere Politik prägen. Für das Umsetzen dieser Schnittstellen sind dann die entsprechenden Parteien zuständig.Die folgenden Antworten bekam ich von Frau Susanne Cichos (FDP). Einen ganz herzlichen Dank sende ich an dieser Stelle. Man mag meinen, die FDP hätte nichts mit einem BGE zu tun, aber auch das stimmt so nicht. Denn es geht eben auch darum, den Menschen in Verbindung mit der Erwerbsarbeit zu sehen. Folglich ist die Unternehmersicht ebenso wichtig, wie auch die Soziale. Mensch und Arbeit gehören zusammen, aber über das WIE mit dem BGE gilt es zu diskutieren.

Im Anschluss der Antworten werde ich wieder Bezug nehmen.

1. Wie stehen Sie grundsätzlich zum Bedingungslosen Grundeinkommen?Prinzipiell bin ich Freundin von neuen Wegen, die politisch eingeschlagen werden. Ich finde es jetzt wichtig, im Zuge der Digitalisierung vieler Arbeitsplätze, sich konkret mit dem Thema zu beschäftigen. Was mir aber bisher nicht passt, ist das Beiwort „bedingungslos“, da es meiner Ansicht nach falsche Erwartungen wecken wird und eine bloße Forderung wirtschaftlich gefährlich für die Kommunen werden kann.2. Hätte das Bündnis Grundeinkommen in Ihnen einen Partner, die erforderlichen Modalitäten erarbeiten zu können?

Wenn das Bündnis, so gilt es auch für jede Partei, kompromissbereite Lösungsansätze diskutiert und man einen gemeinsamen Nenner zum Thema Grundeinkommen finden kann, will ich das nicht ausschließen.

3. Glauben Sie, dass die herkömmliche Arbeitswelt mit ebenso herkömmlichen volkswirtschaftlichen Instrumenten eine Perspektive erlangen kann?

Glaubenssätzen in der Politik sehe ich generell sehr kritisch zudem Sie und ich wahrscheinlich nicht über das nötige Know How verfügen, uns eine fundierte Meinung dazu zu bilden, ohne Experten zur Beratung einzuholen.

4. Welche Lösungsansätze haben Sie, um das Thema „Arbeit im 21. Jahrhundert“ so zu gestalten, dass auch die Armut eingedämmt, bestenfalls besiegt werden kann?

Digitalisierung als Chance und nicht als Dämon sehen! Wir werden mehr Spezialisten ausbilden. Nicht nur im Beruf, sondern auch in der Schule. Gerne im Wahlprogramm der NRW FDP informieren, da legen wir einiges vor. Den link lass ich dir gerne bei Bedarf zukommen

5. Was bedeutet für Sie Arbeit?

Menschen eine Beschäftigung zu bieten, um sich selbst zu sozialisieren und zu finanzieren.

Mein Bezug:

S. C.: „Was mir aber bisher nicht passt, ist das Beiwort „bedingungslos“, da es meiner Ansicht nach falsche Erwartungen wecken wird und eine bloße Forderung wirtschaftlich gefährlich für die Kommunen werden kann.“

Die Erwartungshaltung ist tatsächlich ein großes Thema. Auch ich befasse mich mit Möglichkeiten, wie der Mensch mit dem BGE umgehen würde. Wir Befürworter argumentieren ja, dass es uns Freiheit und Selbstbestimmung gibt. Das ist soweit auch erwartbar. Aber die, die sich mit diesem Thema befassen, haben den Anspruch für sich bereits erarbeitet. Es gibt jedoch auch viele Menschen, die mit dieser Situation überfordert sein können. Hier gilt es tatsächlich auch tiefer zu diskutieren und Möglichkeiten zu erkennen, wo Menschen Unterstützung und Hilfe benötigen, ihren Alltag auch selbstbestimmt zu gestalten.

Gerade am letzten Wochenende führte ich eine Diskussion. Eine junge Frau stand ganz stumm und starr da, als ich sie fragte, was ihre Wünsche sind. Sie war selbst ganz erstaunt, keine Antwort zu finden.

Die wirtschaftliche Gefahr gilt es ebenso weiter zu definieren. Je mehr Technologie die menschliche Arbeit ersetzt, desto geringer das Risiko von Folgekosten? Wird der Mensch, der noch einer Erwerbsarbeit nachgehen möchte, beginnen, höhere Löhne zu fordern? Wo liegen die Chancen, wo die Risiken. Das sind wichtige Fragen.

S. C.: „Wenn das Bündnis, so gilt es auch für jede Partei, kompromissbereite Lösungsansätze diskutiert und man einen gemeinsamen Nenner zum Thema Grundeinkommen finden kann, will ich das nicht ausschließen.“

Eine bessere Antwort kann man auf diese Frage nicht geben. Danke!

S. C.: „zudem Sie und ich wahrscheinlich nicht über das nötige Know How verfügen, uns eine fundierte Meinung dazu zu bilden, ohne Experten zur Beratung einzuholen.“

Das sehe ich jetzt ein wenig anders. Gerade was die herkömmlichen volkswirtschaftlichen Instrumente anbelangt, haben wir das Thema „Angebot und Nachfrage“ immer mehr aus den Augen verloren. Der „Soziale Arbeitsmarkt“, wie von der SPD gefordert, ist ja schon ein Widerspruch in sich. Was ist der Markt, wie wirkt der Mensch darin? Die Menschen haben kein Vertrauen mehr in den Markt (auch Arbeitsmarkt) und sparen für schlechte Zeiten der Altersarmut.

Wie wahrscheinlich ist es, dass mit einem BGE die Sparquote wieder gesenkt wird, die Menschen mehr investieren und somit den Binnenmarkt beleben? Welche Auswirkung wird dies auch auf unsere (Binnen-)Wirtschaft haben? Diese Diskussion kann man auch als ausgebildete Fachkraft führen. Meine Erfahrungen in der Wirtschaft und auch im öffentlichen Dienst gekoppelt mit meinem politischen Engagement lassen schon zu, eine fundierte Meinung zu bilden.

Das sollte sich Frau Cichos als Dipl. Kauffrau aber auch zugestehen. Wir wissen, wo wir Studien von Experten finden. Und was sind Experten? Menschen, die sich mit einem Thema fundiert befassen. Ich wurde bereits auch schon als Experte zum Thema BGE zu einer Veranstaltung eingeladen. Über diesen Begriff war ich selbst erstaunt. Also sind wir doch mal ganz selbstbewusst und setzen unsere Kenntnisse von (Volks)Wirtschaft doch einfach mal selbst um und erarbeiten Theorien.

S.C.: „Gerne im Wahlprogramm der NRW FDP informieren, da legen wir einiges vor. Den link lass ich dir gerne bei Bedarf zukommen“.

Den Link habe ich angefordert und werde ihn nachreichen.

Ich freue mich, dass Frau Cichon das Thema der Digitalisierung aufgreift. Denn hier haben wir ja eine Schnittstelle: Wir erkennen, dass Arbeit sich verändert. Ja auch die Ausbildung derer, welche mit immer neuere Technologie umgehen muss, ist wichtig. Aber es wird eben nicht mehr für alle die Erwerbsarbeit da sein. Und da kommt das BGE wieder ins Spiel.

Genau dieser Punkt, zieht sich durch alle Parteien: Wieso ist so schwer zu verstehen, dass man die Arbeit aus der Zeit der Industrialisierung endlich umdenken muss? Wieso immer was Neues konstruieren, damit Mensch fremd-beschäftigt bleibt? Dieser Gedanke steckt so tief in uns, dass es nicht so leicht zu sein scheint, eine andere Form der Arbeit zu denken. Da hat uns der Luther mit seiner protestantischen Arbeitsethik aber mal so ordentlich das Bewusstsein verschwurbelt.

S. C.: „Menschen eine Beschäftigung zu bieten, um sich selbst zu sozialisieren und zu finanzieren.“

Ich bin dahingehend ein unverbesserlicher Optimist. Denn ich glaube an einen Menschen, der sich selbstbestimmt sozialisieren kann. Und was bedeutet das? Sozius heißt der Gefährte. Bedeutet diese Aussage, dass ein Mensch nur Gemeinschaft leben kann, wenn er in einer fremdbestimmten Arbeit ist? Und was ist eine Finanzierung wert, wenn eine Gemeinschaft funktioniert, der Handwerker die Reparaturen oder den Bau übernimmt, der Gärtner die Nahrungsversorgung, die Mutter den Nachwuchs erzieht, der Lehrer Wissen vermittelt. Das muss alles nicht zwangsläufig mit der Erwerbsarbeit zusammenhängen. Das ist menschlich und hat in Sippen und auch schon in der Steinzeit funktioniert. Entwickelt hat sich der Mensch dennoch.

Durch die Antworten von Frau Cichos werden neue Fragen wichtig. Das zeigt mir, wie sinnvoll es ist, kontrovers zu Diskutieren. Es ist zwar schön, mit Befürwortern zu diskutieren, aber wir schauen ja in die gleiche Richtung. Ich möchte die Bedenken kennen und auch die Fragen, welche sich wieder neu stellen.

So muss das sein und das gefällt mir!

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Ein Kommentar zu “Direktkandidatin Susanne Cichos (FDP) zum BGE

  1. Pingback: Der etwas andere Kandidatencheck – gesellschaftentwickelnblog

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