Erwerbsarbeit schließt Menschlichkeit aus

So grundsätzlich kann man das natürlich nicht sehen. Aber kürzlich kam mir dieser Gedanke, als ich an einer Veranstaltung teilnahm.

Bei dieser Veranstaltung wurden Vereine und Gewerbetreibende meines Wohnortes vorgestellt bzw. konnten sich mit einem Stand präsentieren.

Ein Programmpunkt lautete „Menschen helfen Menschen“. Es stellten sich Menschen vom ambulanten Hospizdienst, der Telefonseelsorge und der Notfallseelsorge vor. Dies sind alles Bereiche, die Tabuthemen berühren. Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die für Betroffene einfach da sind und helfen

Bei der Vorstellung beharrten die Engagierten stets auf das Ehrenamt. Mag es sein, dass sie deutlich machen wollten, keine Geschäfte mit sozialen Diensten zu machen? Das scheint in der heutigen Zeit wohl notwendig. Oder wollten sie nur deutlich machen, dass sie gute Menschen sind und dafür kein Geld nehmen? Auch das ist legitim und nachvollziehbar.

Und da begann ich drüber nachzudenken, dass sie dies nur machen können, weil sie Rentner sind oder einen „reichen Mann“ geheiratet haben. Das Argument mit dem „reichen Mann“ wurde mir tatsächlich geboten, als ich mich über eine Umschulung informierte. Ein gleichberechtigtes Menschenbild scheint in unserer Gesellschaft noch nicht überall angekommen. Aber das nur nebenbei.

Mir wurde klar, dass eine solch emotionale und auch zeitlich intensive Arbeit nicht zu schaffen ist, geht man einer Erwerbstätigkeit nach. Der Herr, der die Notfallseelsorge vorstellte, erwähnte, dass sie 24 Stunden am Tag erreichbar sind. Das nenne ich mal eine enorme Leistung und ein dankenswertes Angebot. Aber dazu bedarf es auch Menschen, die es machen.

Also kam ich zu der Erkenntnis, dass Menschen für diese Arbeiten ausgeschlossen werden, die zunächst einer Erwerbstätigkeit nachgehen müssen. Wer hat denn noch zeitliche und emotionale Kapazitäten übrig, wenn ein Arbeitstag mit Fahrtweg und ggf. Familie hinter einem liegt? Haben sie dann noch den Kopf, um einem Menschen in einer Extremsituation helfen zu können?

An dieser Stelle wurde mir wieder einmal klar, wie wichtig ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist, um mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, Menschen helfen zu können und als Gesellschaft mehr zusammenrücken zu können.

Man könnte natürlich behaupten, (Langzeit)Arbeitslose haben doch die Zeit, sich in entsprechende Bereiche einzubringen. Das werden einige auch bestimmt tun. Aber wie sieht die Lebenswirklichkeit aus, wenn man jemand gerade beim Sterben begleitet, aber der nächste Jobcentertermin wartet, den man nicht verschieben sollte?

Wie sieht die Lebenswirklichkeit aus, wenn ein Langzeitarbeitsloser, der Angst vor seinem eigenen Existenzverlust hat, anderen Menschen die Angst nehmen soll? Langzeitarbeitslosigkeit nach der Agenda 2010 schürt Ängste und bringt Menschen dazu, Fehler zu machen. Diese sind nur menschlich. Aber der Zustand macht psychisch krank, weil man stets Angst hat, seine Existenz zu verlieren. Ob man dann auch gefestigt ist, um mit einer derartig anstrengenden und anspruchsvollen Aufgabe betraut zu werden, ist die Frage.

Nun stelle ich einfach mal die These auf, dass mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen Menschen mehr Kapazitäten aufbringen können, um anderen Menschen zu helfen. Die emotionale Situation ist entkrampfter und man kann mit einem freien Kopf Menschen in extremen Situationen eine helfende Begleitung sein.

Etwa 43% der BürgerInnen in diesem Land sind ehrenamtlich tätig. Die Bereitschaft ist in unserer Gesellschaft erkennbar, dass man sich füreinander einsetzt. Aber nicht jedes Ehrenamt fordert so sehr die eigene Psyche, wenn es um Notfälle und Tod geht. Ich bin mir sicher, dass besonders hier auch ein breites Angebot von Helfenden auch mehr Menschen helfen könnte.

BGE für mehr Menschlichkeit!

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